Wir können digital – Crossmediale Abschlussprojekte in der Pandemie

Wir können digital – Crossmediale Abschlussprojekte in der Pandemie

Medienmanagement-Studierende präsentieren ihre Kampagnen und lernen, aus der Not eine Tugend zu machen. Oder: Wie aus „Dann können wir ja nur digital“ „Wir KÖNNEN digital!“ wurde.

Abschlussprojekte der Mittweidaer Medienmanagementstudierenden: Sechs crossmediale Kampagnen sind in den vergangenen Monaten enststanden.

Tamara Huhle, Professorin für Crossmedia an der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida blickt auf ein besonders Jahr zurück. Besonders sollte es werden, weil sie zum letzten Mal vor der Emeritierung ihre Medienmanagement-Studierenden über Monate an der Konzeption und Umsetzung von crossmedialen Kampagnen begleiten wollte. Höhepunkt und Zielpunkt der Arbeit sollte wie in den Jahren zuvor die Präsentation dieser Kampagnen live im Herbert-E.-Graus-Fernsehstudio der Hochschule vor Publikum sein. Eine Leistungsschau der Studierenden vor ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, vor Lehrenden und vor den Partnerinnen und Partnern, für die sie die Kampagnen erarbeitet hatten. Eine Gelegenheit, noch einmal zusammenzukommen, bevor sie für das sechste Semester mit Praktikum und Bachelorarbeit die Hochschulstadt verlassen. Die Präsentationen fanden nun in den vergangenen Tagen als Online-Meetings statt, boten aber auch dort spannende Einblicke in die Arbeit der vergangenen zwei Semester und die beachtlichen Ergebnisse dieser Arbeit.

81 Studierende hatten sich zur Aufgabe gemacht, für sechs Organisationen und Projekte crossmediale Kampagnen zu entwerfen und einzelne Elemente daraus auch zu produzieren. Crossmedial ist eine Kampagne, wenn sie ihre Leitidee zielgruppengerecht über verschiedene Kanäle transportiert, also online und vernetzt über soziale Medien, Print, Video, Audio oder auch Events. Ziel ist immer, die Bekanntheit und den Erfolg der Organisation oder des Projekts zu erhöhen. Für die Zusammenarbeit mit den Studierenden kommen nur nicht-kommerzielle Projekte bzw. gemeinnützige Organisationen in Frage. In diesem Jahr waren das die Freiberger Werkstätten der Diakonie, die Vereine Karate-Do Rochlitz e.V. und RosaLinde e.V. Leipzig. Dazu kamen die Hochschulprojekte CosmoX, Hochschulbühne und das Medienforum Mittweida 2020.

„Gestartet sind wir im Sommersemester 2020 mit „Grundlagen Kampagnen“ in der Onlinevorlesung“, sagt Huhle. „Es war neben den Scripten und Online-Tutorien vor allem auch das Studieren mit Literatur angesagt, mehr als in den Vorjahren. Schnell wurde klar, dass nicht die Vielzahl der Kanäle einer Kampagne den Erfolg garantieren, sondern der Fokus auf einer kreativen Idee und auf neuen Medien liegt.“ So hatten die Einschränkungen der Pandemie nicht nur Folgen für die Theorievermittlung, sondern auf für die praktische Umsetzung: „Im Wintersemester gab es nur eine kurze Zeitspanne, um bei Foto- und Filmterminen genügend Material zu sammeln. Auch hier musste mehr online gearbeitet werden. Die Veränderungsfähigkeit und das Risikomanagement waren noch nie so gefordert wie jetzt. Mit jeder neuen Situation mussten die Studierenden umdenken – oder konnten scheitern.“

Gemeinsam. Unschlagbar. Karate-Do Rochlitz e.V.

 „Aufgrund der Corona-Situation und der Arbeit im Homeoffice, haben wir uns als Crossmedia-Team seit Beginn der Kampagne nie persönlich gesehen“, sagt Studentin Sarah Draber, deren zwölfköpfiges Team die Kampagne für den Verein „Karate-Do Rochlitz e.V.“ erarbeitete. Ziel der Kampagne war es, dem Randgruppen-Image der Sportart Karate entgegenzuwirken und so auch dem Verein zu einer breiteren Bekanntheit zu verhelfen. Dazu entwarfen die Studierenden u.a. ein neues Corporate-Design, produzierten einen Imagefilm, erstellten und bespielten die Social-Media-Kanäle Instagram und Facebook. Das alles geschah in einer Zeit, in der das sportliche Leben des Karate-Vereins selbst weitgehend stillstand, es also kaum Gelegenheit für Foto- oder Filmaufnahmen gab. Dennoch gelang es, mit dem Claim „Gemeinsam. Unschlagbar.“ eine größere Aufmerksamkeit für den Verein in den sozialen Medien und der regionalen Tagespresse zu erzeugen.

Mediale Kanäle vernetzt.Neues Logo als Teil eines neuen Corporate Designs.

 

Divers, wie wär‘s? RosaLinde e.V.

Neues Logo als Teil eines neuen Corporate Designs.„Divers, wie wär’s“ heißt der Podcast, den die 15 Studierenden als einen von sechs crossmedialen Kanälen ihrer Kampagne für den Leipziger Verein RosaLinde entwickelten und produzierten. Der Verein engagiert sich für Bildung, Begegnung und Beratung der LGBTQ+-Community. Ihn hierfür als kompetenten Ansprechpartner bekannter zu machen, war eines der Kampagnenziele. Für die fünf Folgen des Podcasts wurden Mitarbeitende von RosaLinde interviewt. Darüber hinaus verliehen die Studierenden u.a. dem Corporate-Design und der Webseite einen neuen Anstrich. Neue Mitglieder und Spenden konnten angeworben werden.

Mit Herz: Freiberger Werkstätten der Diakonie

Menschen mit Herz, Arbeit mit Herz, Produkte mit Herz standen im Mittelpunkt der Kampagne der 13 Studierenden, die einen tieferen Einblick in das Arbeiten und Leben in den Freiberger Werkstätten der Diakonie geben sollte. „Eine unserer schönsten Herausforderungen war es, die Freude und das Herzblut der behinderten Werkstattmitarbeitenden über die Social-Media-Kanäle den Menschen außerhalb der Werkstatt näher zu bringen“, sagt Projektleitrein Melanie Rothe. Wir freuen uns darüber, dass fast alle entstandenen Elemente unserer Kampagne nachhaltig weitergenutzt bzw. weitergeführt werden.“

In Rahmen der Kampagne entwickelte ihr Team Logo und Corporate Design, baute Social-Media-Kanäle auf Facebook und Instagram auf, um mehr Menschen z.B. mit Fotos aus den Werkstätten zu erreichen. Statt einer geplanten Präsentation beim coronabedingt abgesagten Tag der offenen Tür vor Ort stellten die Studierenden die Werkstätten und deren Produkte beim Weihnachtsmarkt in Freiberg vor. Mit Plakaten, Banner und City-Cards zogen sie die Aufmerksamkeit auf sich.

SMARTe Zielanalyse: Spezifisch, Messbar, Akzeptiert, Realistisch, Terminierbar.Auch smart: mit Herz auf dem Weihnachstmarkt.

Was für ein Theater: Hochschulbühne Mittweida

Umdenken und umplanen war auch für das 15-köpfige Crossmedia-Team der Hochschulbühne angesagt. Dabei war lange nicht klar, dass die für Dezember/Januar angekündigten Aufführungen abgesagt werden mussten. „Wir mussten umdenken: Event-Marketing wurde zu Online-Marketing“, beschreibt Anton Hangschlitt kurz die schon die für die langfristig vorbereitete Kampagne selbst spürbaren Folgen der Pandemie im Sommer 2020. Ziel war zum einen die Vermarktung der Aufführungen 2020, zum andern auch die Anwerbung von Mitgliedern für Schauspiel, Regie, Technik und Organisation des studentischen Theaterprojekts für 2021. Mit dem Slogan „Was für ein Theater!“ sollten dafür Studierende, Hochschulbeschäftigte und die Bevölkerung humorvoll angesprochen werden. Leitkanal war Social-Media mit dem Fokus auf Instagram mit informativen Beiträgen, Gewinnspielen und Videos.

Auch digital: Projektionen für die Hochschulbühne auf Hochschulgebäude.

Inspire tomorrow: Medienforum Mittweida 2020

Keine Absage, aber eine lange Ungewissheit und schließlich die Umstellung des Formats auf 100 Prozent digital. Das war die Herausforderung für die 11 Studierenden des Crossmedia-Teams des Medienforum Mittweida 2020, das den studentischen Kongress über ein halbes Jahr mit vorbereitete, bewarb und live begleiteten sollte. „Zu Beginn des Projekts - im Frühjahr 2020 - konnten wir nicht absehen, wie sich die Situation weiterentwickeln und wie letztendlich das Medienforum Mittweida am 25. und 26. November stattfinden wird“, sagt Studentin Florentin Tesche. „Erst am 13. November haben wir beschlossen, das Medienforum digital auszurichten.“ So legten die Studierenden neben der Bespielung der Social-Media-Kanäle das Hauptaugenmerk auch auf die Gestaltung des Livestreams, in den die Speaker live dazugeschaltet wurden. Auch die Recruiting Lounge fand digital statt. Dort kamen Studierende mit potenziellen Arbeitgebern aus der Medienbranche ins Gespräch. Workshops wurden zu Webinaren umfunktioniert. Für die Umsetzung dieser Kongresselemente, die das Medienforum ausmachen, im Livestream erstellte das Team kurzfristig 900 Grafiken. Das erste digitale Medienforum Mittweida folgte damit auch auf diese Weise seinem Claim „inspire tomorrow”.

Moderation des Medienforum Mittweida vor leerem Studio aber nicht ohne Zuschauer.

X pand your mind: CosmoX

Auch dieser Claim steht am Ende von zweieinhalb Jahren Studienzeit in Mittweida zwar für mehr als das Projekt CosmoX, denn Aufbruch nach den Präsentationen und letzten Prüfungen prägt die Stimmung unter den Studierenden. Aber für das 15-köpfige Crossmedia-Team von CosmoX galt es in den vergangenen Monaten, ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen aus allen Fakultäten der Hochschule für den Aufbruch ins internationale Unbekannte zu begeistern. Studentin Clara Eckart sagt: „CosmoX steht dafür, sich auf das Abenteuer Auslandsaufenthalt während des Studiums einzulassen und gleichzeitig das internationale Miteinander in Mittweida zu stärken.“ Dazu zeigen die Studierenden mit informativen aber auch unterhaltsamen Formaten in den sozialen Medien die Vielfalt und Wichtigkeit internationaler Erfahrungen: von der Candy Challenge über den Fact Check bis zur Frage, wo überall Studierende ihr zweites Zuhause gefunden haben. 

Ohne geht nicht: Leitidee und Claim sind elemantar Bestandteile einer Kamapgne.Höhepunkt der Kampagne 2020/21 war der gemeinsam mit dem International Office der Hochschule veranstaltete „Internationale Abend“ am 2. Februar, bei dem im Livestream exklusive und spannende Einblicke ins Abenteuer Ausland geboten wurden. Ulrike Worbs-Reichenbach vom International Office freut sich: „Es war auch in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen ein erfolgreiches Projekt, das einige an einem Auslandsstudienaufenthalt interessierte Studierende bereits wieder ins International Office geführt hat. Ich freue mich sehr, dass wir es in diesem Jahr geschafft haben, Studierende aller Fakultäten vor und hinter der Kamera zusammen zu bringen. Danke an das Team von CosmoX und Frau Professor Huhle.“

Auch hier erwies sich der Videodreh in Coronazeiten als eine große aber bewältigte Herausforderung. „Ich denke, hier wurde bewiesen, dass in Krisenzeiten immer noch viel erreicht werden kann, wenn man als Team zusammenhält, sich nicht unterkriegen lässt und an einem Strang zieht“, sagt Clara Eckart und spricht damit auch für die Erfahrung ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen der anderen Kampagnen in diesem „besonderen Jahr“.

Danke auch an die Professorin: Tamara Huhle hat in den vergangenen Jahren ihren Studierenden die Theorie beigebracht und sie bei der Umsetzung der crossmedialen Kampagnen begleitet