Internationalisierung als Chance in herausfordernden Zeiten
Internationalisierung als Chance in herausfordernden Zeiten
Beim Mittelstandstag diskutieren Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Wege zu mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Unter dem Leitthema „Erfolgreiche Internationalisierung im Mittelstand“ kamen am 10. Juni beim Mittelstandstag 2026 an der Hochschule Mittweida (HSMW) Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen, um über die Zukunft des deutschen Mittelstands im internationalen Wettbewerb zu diskutieren.
Die zentrale Botschaft des Mittelstandstags zog sich wie ein roter Faden durch alle Beiträge: Internationalisierung ist Chance, nicht Risiko. Der deutsche Mittelstand steht zweifellos vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig liegt gerade in der Internationalisierung erhebliches Potenzial für Wachstum, Innovation und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Wer internationale Märkte erschließt, Partnerschaften aufbaut und globale Entwicklungen aktiv gestaltet, kann auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neue Potenziale erschließen.
Vormittag: Impulse aus Politik und Wissenschaft
Mitorganisator Professor Klaus Vollert betonte die besondere Rolle des Mittelstands für Deutschland. Gerade in wirtschaftlich und geopolitisch schwierigen Zeiten stelle sich die Frage, wie Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und neue Wachstumschancen erschließen können.
Zum Auftakt der Fachvorträge blickte der Wirtschaftswissenschaftler und Rektor der HSMW, Professor Volker Tolkmitt, aus volkswirtschaftlicher Sicht auf Internationalisierung. Er verdeutlichte die Bedeutung von Forschung, Bildung, Innovation und verlässlichen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich Deutschland und insbesondere der industrielle Mittelstand in einem zunehmend anspruchsvollen globalen Wettbewerbsumfeld behaupten müssen. Forschung, technologische Entwicklung und internationale Offenheit seien dabei entscheidende Erfolgsfaktoren.
Einen besonderen Akzent am Vormittag setzte anschließend Professorin Brownhilder Neneh von der University of the Free State in Südafrika. Sie stellte Südafrika als attraktiven Wachstumsmarkt und zugleich als strategisches Eingangstor zum afrikanischen Wirtschaftsraum vor. Besonders fortschreitende Digitalisierung, Energiewende, moderne Landwirtschaft sowie Infrastruktur- und Gesundheitsprojekte bieten aus ihrer Sicht interessante Perspektiven für deutsche Unternehmen. Gleichzeitig betonte sie, dass erfolgreiche Internationalisierung immer auf starken lokalen Partnerschaften, kulturellem Verständnis und langfristigem Engagement beruhe. Ihre Botschaft war eindeutig: Internationale Märkte eröffnen gerade mittelständischen Unternehmen erhebliche Wachstumschancen, wenn technologische Kompetenz mit lokaler Marktkenntnis und belastbaren Netzwerken verbunden wird.
Die politische Perspektive brachten Harald Wittreck vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst ein. Beide machten deutlich, dass sich der deutsche Mittelstand derzeit in einem schwierigen Umfeld bewegt. Geopolitische Spannungen, unterbrochene Lieferketten, hohe Energie- und Standortkosten, Fachkräftemangel sowie zunehmende regulatorische Anforderungen belasten viele Unternehmen.
Gleichzeitig wurde die Forderung nach besseren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen deutlich. Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsprozesse, Planungssicherheit und eine stärkere Unterstützung von Innovationen und Investitionen seien wichtige Voraussetzungen, damit mittelständische Unternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten und ausbauen können.
Nachmittag: Von lokalen Anfängen zum globalen Erfolg
Ein Highlight des Nachmittags war der Vortrag von Jun.-Professor Julian Schenkenhofer von der WHU – Otto Beisheim School of Management. Anhand der sogenannten Hidden Champions zeigte er, warum Deutschland bis heute zu den erfolgreichsten Exportnationen der Welt gehört. Familiengeführte Weltmarktführer, langfristiges Denken, technologische Exzellenz und konsequente Nischenstrategien seien wesentliche Erfolgsfaktoren dieser Unternehmen.
Im Anschluss berichteten Unternehmer:innen aus der Praxis über ihre Erfahrungen mit Interna-tionalisierung, Digitalisierung und globalen Netzwerken. Marco Rutzke von der NetTask GmbH stellte die Bedeutung internationaler Technologie-Ökosysteme und strategischer Allianzen heraus. Professor Andreas Wild berichtete über seine Erfahrungen aus internationalen Konzernstrukturen bei IBM. Robert Schlesiger schilderte die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren beim Aufbau internationaler Geschäftsaktivitäten. Mit Professor Detlev Müller und René In der Stroth präsentierte sich zudem die Mittweidaer IMM electronics GmbH als Beispiel eines erfolgreichen sächsischen Hidden Champions.
Veranstaltet wurde die Tagung vom Management Institut Mittweida e. V. (MIM e. V.) in Kooperation mit dem Prorektorat Forschung der Hochschule Mittweida. Das Management Insti-tut Mittweida unter Vorsitz von Professor Klaus Vollert versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis und setzt sich für den Wissenstransfer zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft ein.
Auf der Veranstaltungsseite finden sie weitere Fotos vom Mittelstandstag 2026.
Text: Prof. Klaus Vollert, Helmut Hammer
Fotos: Jacob Golde







